JAMES : WHIPLASH GERMAN REVIEWS

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Die gibt’s also auch noch. Deplaziert waren James schon anno 1993 als Vorband von Neil Young. Seinerseits bastelten sie mit Brian Eno bereits an einer Abkehr vom Britpop, obwohl der Wonderwall noch gar nicht stand: Eine Band on the run. James sind heute immer noch auf der Flucht nach vorn. Es piepst, blubbert, trommelt, basst. Und trotzdem sitzen Sänger Tim Booth weiterhin die Kollegen Bono und Jim Kerr feixend im Nacken. Weder Eno noch Elektronik helfen, auf „Whiplash" klingen die Melodien nach Hymnen, die Verse nach Predigt und die Gitarren nach Stadion. Es ehrt James natürlich, daß sie dort nicht hinwollen und auf ihrem mittlerweile siebten Album weiter mit Loops und Beats experimentieren. Bloß dumm, daß es sich in der plüschigen Discotheque schon wieder alte Bekannte gemütlich gemacht haben, die Tanzfläche ein Fußballfeld ist und der DJ ein Rockstar. You too, Tim Booth? Wohl wieder mal nicht.

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Den Wunsch, auch James nach vierjähriger Studio-Abstinenz mit offenen Armen zu empfangen, schminkt Whiplash schnell wieder ab. Sicher, manierliche Melodien gibt’s im halben Dutzend, und einige Songs haben die alte Schlüssigkeit und Beschwingtheit, Waltzing Along etwa oder auch das zum Mitsingen anstiftende Homeboy. Nahezu verschwunden ist das Understatement von ehedem, die Folk-besaitete und Pop-beseelte Genauigkeit, die James mit den Woodentops teilten und ,,Laid, vor allem aber Stutter dauerhaft machte. Whiplash dagegen ist krass und spekulativ, hechelt dem Zeitgeist hinterher, wo doch Besinnung immer die Stärke war dieser Band. Brian Eno wird bemüht und darf Geräuschkulissen schieben, läppische Tricky-isms werden als Experimente angedient und Nietzsche bekommt einen Namecheck, ohne erkenntlichen Sinn. Music depresses me, beginnt der Titelsong und begehrt Einlaß in die TripHop-Disco. Go To The Bank fühlte sich definitiv wohler auf der neuen Depeche Mode-LP, und Greenpeace ist Sozial-Schmäh unter jeder Würde. Diese Würdelosigkeit permutiert auch die besseren Tracks, sorgt für uneasy listening. James scheitern im Kleinen, wo U2 gerade grandios scheiterten, beim Versuch, das eigene Talent auf Teufel komm raus mit der Moderne zu kreuzen. So ist Whiplash ein kleiner Bastard, Pop ein großer, beide aber tragische Irrtümer, weil Talent nicht teilbar ist und der Zeitgeist nicht gefickt werden will.

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Sie portraitieren keine naive Intelligenz, analysieren nicht den Mikrokosmos des Tons mit ihren parapsychologischen Verbindungen subversiver Generationsideologien. Tim Booth erfand nicht das parallele Denken und schwängerte auch nicht seine Kindergärtnerin. Sie lieben die Musik, und ihre ganz besonders. Laut Plattenfirma lernt man sich musikalisch für jedes Album neu kennen, entdeckt Dinge beim anderen, die tief verborgen schienen und durch den gegenseitigen Respekt ans Tageslicht gespült werden. Vier ganze Jahre ist es her, daß JAMES ihr letztes offizielles Studioalbum veröffentlichten. „Laid“ hieß die Platte, ein grandioses Werk. BRIAN ENO, Soundtüftler und pädagogisches Motivationsgenie in Sachen versteckter und durchdachter Melodienarrangements und Songstrukturen, steckte ein neues Terrain ab und gab ihnen Mut zum Experiment. Die Band musizierte und entdeckte Dinge, die erst über einen längeren Prozeß wachsen und gedeihen können. Dem Album schien hierzulande die nötige Eingängigkeit zu fehlen und erbrachte nicht den gewünschten kommerziellen Erfolg, da Aufmerksamkeit für so eine Scheibe in einer trendorientierten Branche zuviel Zeit beansprucht. Heute liegt nun ihr aktuelles Album „Whiplash“ vor. Die ersten Stücke klingen wie ein Melodien-Medley ihrer letzten Alben, um dann die musikalischen Neuigkeiten aufzutischen. Verschiedene Themen der aktuellen Trends werden durch die klassischen JAMES-Mechanismen gefiltert und angereichert. Epische Soundcollagen, Staccato-Gitarren und Tim Booth-Gesang werden mit Drum&Bass-, Disco- und Jungle-Rhythmen ergänzt. Die Dramaturgie ihrer Melodie ist ihre Identität; die verwendeten Rhythmusstrukturen sind zeitgemäß austauschbar. „Whiplash“ ist lauter und eingängiger als sein Vorgänger, ein klassisches Pop-Album, auf dessen Live-Präsentation man sehr gespannt sein darf.